Hatten die Römer eine nennenswerte Musikkultur?

Aus Radl.at

Nein. Die Römer waren ein prosaisch und praktisch angelegtes Volk. Tapferkeit im Krieg und aussergewöhnlich starkes Gemeingefühl waren ihre Eigenschaften, die ihm zu Ruhm und Grösse verhalfen; für die Künste hatten sie wenig Neigung und wenig Talent, am wenigsten wohl für die innerlichste aller Künste, die Musik.

Die älteste Musikausübung der Römer (beim Opferdienst und Leichenbegängnissen) scheint tyrrhenischen (etruskischen), d. h. letzten Endes ägyptischen Ursprungs gewesen zu sein, später lag die Musik fast ganz in Händen griechischer Sklaven. Jene war rauh und wild, kriegerischer Gesang mit Begleitung von metallenen, scharf klingenden Flöten oder Trompeten, diese verweichlicht und (nachdem die guten Traditionen der griechischen Blütezeit untergegangen waren) etwa auf der Stufe der nur dem Sinngenuss frönenden Musik der Kleinasiaten (Assyrer, Babylonier) stehend: erotische Lieder, laszive Tänze, bei Gelagen, Festen, im Theater usw. Dass die Kaiser Nero und Heliogabal nach musikalischem Künstlerruhm geizten, ist nur ein Beweis mehr für die Niedrigkeit des Niveaus, auf das die Musik gesunken war.

Von den Dichtungen der Römer ist nicht (wie von denen der Griechen) überliefert, dass sie mit Musik vorgetragen worden wären.

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