Stufengrösse innerhalb der Grundskala

Aus Radl.at

Durch die Noten von 2A bis a4 oder noch weiter hinunter und hinauf, sind nun aber noch nicht alle Töne ausgedrückt, welche das moderne Tonsystem enthält, sondern nur die demselben zu Grunde liegenden einfachen oder natürlichen Töne, die Stammtöne.

Die von uns gegebene Skala von 2A bis a4 stufenweise glatt aufsteigend ist die sogenannte Grundskala des modernen wie auch jedes alten Tonsystems. Von diesen Tönen werden aber eine grosse Anzahl weiterer durch Erhöhung und Erniedrigung abgeleitet, was man sich zunächst so denken muss, als ob die Töne der Grundskala einzelnen so gestimmten Saiten entsprächen, deren Tonhöhe man durch Strafferziehen oder Nachlassen verändern kann. Ohne Zweifel bemerkte man zu der Zeit, als die siebentönige Grundskala gefunden wurde, noch nichts davon, dass deren Stufen nicht alle gleich gross sind; ja es mag bereits im Gesange eine gewisse Vielgestaltigkeit sich entwickelt haben, ehe man erkannte, dass man bestimte von einander unterschiedene Abstände der Töne regelmässig innehielt.

Erst die Instrumentalmusik musste die Geheimnisse der Tonabstände verraten; da stellte es sich denn heraus, dass zwei Stufen innerhalb der Grundskala erheblich kleiner sind, als die anderen, nämlich e f und H c, die man infolgedessen halbe Töne oder Halbtöne nannte, zur Unterscheidung von den grösseren Stufen, den Ganztönen:

<lilypond> \relative c {

 \clef bass
 \time 2/4
 c^\markup Ganztöne d || d e || f g || f a || a b || b,^\markup Halbtöne c || e f
 }

</lilypond>


Nachdem man einmal diesen Unterschied erkannt hat, bemerkte man auch, dass man im Gesange oftmals an Stellen, wo die Grundskala gar nicht die Halbtonstufe aufwies, dieselbe doch anwandte und umgekehrt statt des Halbtonintervalls den Ganzton einführte. Diese Erkenntnis führte aber nicht etwa dazu, dass man die siebenstufige Grundskala fallen liess und statt ihrer eine von mehr Stufen innerhalb der Oktave aufstellte (was erst in allerneuester Zeit einmal versucht worden ist, doch ohne Erfolg), sondern man lehrte von nun ab eine Verschiebbarkeit der Tonhöhen der Grundskala nach oben und nach unten.

Man nimmt also seither zunächst an, dass jederzeit das Halbtonverhältnis (Halbtonintervall) in ein Ganztonverhältnis (Ganztonintervall) verwandelt werden kann, und zwar ist das auf zweierlei Weise möglich, nämlich durch Erniedrigung des oberen oder durch Erhöhung des unteren der beiden das Halbtonintervall bildenden Töne. Das Zeichen der Erniedrigung um einen halben Ton ist b, dass der Erhöhung um einen halben Ton #; diese Zeichen werden dicht vor den Kopf der zu verändernden Note gesetzt:

<lilypond> \relative c' {

 \clef bass
 \time 2/4
 c bes || e, fis || b cis || f, ees r2 r
 }

</lilypond> Ganztöne


Der Name eines durch b um einen Halbton erniedrigten Tones nimmt die Endsilbe -es an, also ces, des, fes, ges; das h wird zu b, e wird zu es und a wird zu as. Der Name eines durch # um einen Halbton erhöhten Tontes nimmt die Endsilbe -is an, also cis dis eis, fis, gis, dis, his. So gewinnen wir ausser den beiden ursprünglichen Halbtönen e f und h c die durch Verengung der Ganztöne entstandenen:

<lilypond> \relative c {

 \clef bass
 \time 2/4
 cis4 d || c des || dis e || d es || fis g || f ges || gis a || g as || ais b || a bes
 }

</lilypond> Halbtöne


Siehe auch